Wie der Corporate Blog den Weg ins Unternehmen findet

Seit vielen Jahren bewege ich mich mit Facebook, Twitter und Google+ durch das Social Web, betreibe einige Blogs und betreibe für jeden Blog auch eigenständige Facebook- & Google+ Pages, sowie den dafür passenden Twitter Account. Hierüber erreiche ich nicht nur die Leser meines Blogs, sondern dadurch auch neue Follower/Fans und neue Leser. Schon allein das Liken eines Artikels, den ich auf Facebook oder Google+ eingestellt habe, kann ein signifikanten Anstieg des Traffic und neue Fans hervorbringen. Durch meine Social Media Aktivitäten konnte ich einerseits neue Fans, andererseits neue Leser meiner Blogs gewinnen. Betreibt man privat Weblogs und diverse Social Media Kanäle, so sollte man davon ausgehen, dass Unternehmen dies ebenfalls tun – zumindest Unternehmen, die im Internet bereits präsent sind. Leider ist dem nicht so. Vielen Unternehmen ist der Vorteil, der Nutzen nicht bewusst, weshalb diese es zwar auf dem Radar, aber nicht priorisiert haben. Andere Unternehmen wiederum trauen sich, gehen den Weg, verlieren jedoch aufgrund fehlender Strategie und Nachhaltigkeit. Während Anfangs noch verstärkte Blog- und Social Media Aktivitäten spürbar sind, lassen diese nach einer gewissen Zeit nach, bis sie letztlich ganz zum Erliegen kommen. Ich möchte etwas Aufklärung um das Thema Social Media und Corporate Blogs in Unternehmen betreiben.

Corporate Blog – Business Case

Corporate Blogs & Social Media Aktivitäten scheitern meist daran, dass kein Business Case vorliegt, bzw. dem Top Management die Vorteile und der Nutzen von Social Media und bloggen nicht transparent sind. Zunächst einmal ist zu veranschaulichen, welche Ziele mit dem Corporate Blog verfolgt werden.

Definition, Abgrenzung und Zielsetzung

Zunächst müssen die Rahmenbedingungen geklärt sein. Dies bedeutet, dass Sie sich darüber im Klaren sein müssen, welche Ziele Sie mit einem Corporate Blog verfolgen. Ziel sollte nicht sein, den Corporate Blog als Marketing-Plattform ihrer Produkte und Dienstleistungen zu sehen, sondern in einem solchen Falle eher ihre Experten-Rolle auf diesem Gebiet zu erkennen geben. Natürlich kann es auch ein Ziel sein, sich mit einem Corporate Blog vom Wettbewerb abzuheben. Dies sollte man jedoch nicht als USP (Unique Selling Point) sehen, wenngleich dies diverse Vorteile gegenüber dem Wettbewerb birgt.

1. Persönlichen Markenwert durch Corporate Blog steigern

Gerade wenn es um Traffic-Zuführung in Form von Type-Ins geht, ist die Wahrnehmung der Marke sehr wichtig. Marken die man nicht kennt, werden meist über Google angesteuert, während andere Marken, sie jeder im Hinterkopf hat, direkt via Type-In angesteuert werden.

2. Als Experte wahrgenommen werden

Auch wenn man sich selbst, bzw. das eigene Unternehmen und die Mitarbeiter als Experte wahrnimmt, so bedeutet es noch lange nicht, dass die Besucher/ Kunden sie, bzw. das Unternehmen in der Rolle des Experten sehen. Lassen Sie ihre Mitarbeiter an diesem Vorhaben mitwirken, indem diese ihr Expertenwissen in Blog-Artikeln preisgeben. Publiziertes Expertenwissen lockt nicht nur Journalisten und andere Blogger an, sondern ermöglicht darüber auch neue Fachkräfte für das Unternehmen zu gewinnen.

3. (neue) Personen kennen lernen

Durch den Corporate Blog werden nicht nur neue Zielgruppen, aufgrund der Inhalte angesprochen, nein diese lernt man dadurch auch besser kennen und zu verstehen. Sie haben mit dem Corporate Blog die Möglichkeit den Dialog mit ihren Kunden, aber auch mit ihren Lieferanten/ Hersteller  zu suchen – öffentlich.

4. Öffentliche Kritik als Chance

Feedback im Einzelnen betrachtet, löst häufig keinerlei Reaktion aus. Wird Feedback jedoch öffentlich gemacht, indem der Leser einen Kommentar hinterlässt, ist einerseits eine öffentliche Reaktion des Unternehmens erforderlich, andererseits tragen Kommentare dazu bei, dass weitere Leser in den Dialog, die Diskussion mit einsteigen. Diese Diskussionen sollte man keinesfalls unterbinden, sondern als Chance wahrnehmen, denn aus dem Feedback der Leser lassen sich Potentiale erkennen.

5. Sprachrohr des Unternehmens

Möglicherweise haben Sie eine PR-Abteilung, doch Pressemitteilungen werden oftmals auf Medien-Portalen überlesen und dann in unveränderter Form eingestellt. Wer liest diese Pressemitteilungen eigentlich? Haben Sie als Endverbraucher auf einem Portal schon einmal Presse-Mitteilungen gelesen, um sich über Neuerungen zu informieren? Ich nicht! Viel Text, viel bla bla, keine Bilder, keine Prozesse, nichts was mir als Leser einen Mehrwert bietet. Der Endverbraucher wünscht jedoch lebendige Artikel, die mit passenden Bildern, Videos und Abläufen im Detail ein neues Feature auf der Website, oder ein neues Produkt erläutern und nicht eine staubige Pressemitteilung.

Kosten-Nutzen Analyse

Kosten

Software und Hosting

Viele Unternehmen, auch große Konzerne, setzen auf die kostenlose Open-Source Software WordPress. Dennoch wird für den Corporate Blog ein eigenes Hosting benötigt, welches fortlaufende Kosten verursacht. Dann sollte der Corporate Blog auch im Look & Feel ihrer Website, ihres Onlineshops erscheinen, also wird Agenturleistung notwendig. Doch davon wird ein Corporate Blog noch lange nicht lebendig.

Expertenwissen will bezahlt sein

Sie müssen Ihren Mitarbeitern, den Experten ihres Unternehmens Zeit verschaffen, in welcher neue Artikel entstehen können. Ein vernünftiger Artikel entsteht nicht binnen Minuten, sondern benötigt entsprechende Vorlaufzeit. Gerade bei aktuellen Themen sind Recherche-Arbeiten notwendig, die mitunter auch einige Tage andauern können. Zudem sind die Experten auf ihrem Gebiet auch mit anderen Arbeiten beschäftigt.

Organisation

Ein Corporate Blog lebt davon, dass in regelmäßigen Abständen neue Artikel eingestellt werden. Fühlt sich jedoch niemand dazu berufen, herrscht Stillstand. Neben dem Veröffentlichen neuer Artikel müssen auch Kommentare beantwortet werden. Diese Rolle gilt es ebenfalls zu besetzen. Er/ Sie motiviert Mitarbeiter/ Experten zum Schreiben neuer Blog-Posts, gibt diese auch zur Veröffentlichung frei und schreibt selbst.

Nutzen

Der Nutzen des Corporate Blogs lässt sich aus der Zielsetzung ableiten. Natürlich möchte man mehr Type-Ins erreichen, als Marke besser wahrgenommen werden, aber natürlich auch mit der Zielgruppe durch Kommentare und Diskussionen in Kontakt treten, um diese und deren Bedürfnisse zu verstehen. Durch Experten-Beiträge werden auch Journalisten und Branchenkenner auf die Marke aufmerksam. Durch das Corporate Blog werden auch Eindrücke des Unternehmens vermittelt, welche gerade bei der Rekrutierung neuer Fachkräfte sich gegenüber anderen Unternehmen positiv auswirken kann.

Risiken

Wo Chancen sind, gibt es natürlich auch Risiken. Setzt man sich bereits in der Ideen-Phase mit den Risiken auseinander, lassen sich auch frühzeitig Maßnahmen daraus ableiten. Ein Beispiel ist der Umgang mit öffentlicher Kritik durch Veröffentlichung von Kommentaren. Das Löschen, oder Verändern solcher Kommentare könnte sich sehr negativ auswirken. Natürlich könnte man auch Kommentare unterbinden/ deaktivieren, doch dann fehlt das Feedback.

Zeigen Sie alle Risiken auf, die auffallen, die Sie mit dem eigenen Corporate Blog in Verbindung bringen.

Und was ist mit Sozialen Netzwerken?

Auch für den Aufbau von Social Media kann man einen Business Case rechnen. Hier kommt es natürlich darauf an, was man alles in den Bereich Social Media mit einfließen lässt. Ist es die reine Markenkommunikation über Facebook, Google+, Twitter, Instagram, Pinterest & Co, oder möchte man zudem auch Marken-Reputation betreiben und genau wissen, ob, was und wer über das Unternehmen spricht?

Meine Erfahrungen mit Unternehmen und Corporate Blogs

Im Rahmen der Kampagne der Kundenzufriedenheit bei der 1&1 Internet AG habe ich seinerzeit das 1&1 Blog realisiert und das PR- & Social Media Team darüberhinaus gebrieft. Noch heute verfolge ich die Blog-Beiträge der 1&1 Internet AG mit großem Interesse.

In meiner späteren beruflichen Laufbahn realisierte ich 2012 für Deutschlands beliebtesten Preisvergleich den Prototyp eines Corporate Blogs und zeigte auch hier die möglichen Potentiale auf. Bedauerlicherweise blieb es beim Prototyp, denn Anfang 2013 stellte Idealo.de, eine Tochtergesellschaft von Axel Springer und größter Wettbewerber von billiger.de, seinen Corporate Blog vor. Informative Beiträge, tolle Einblicke ins Unternehmen, Infografiken und so manches mehr wurden seither im Corporate Blog von Idealo publiziert.

Wenn auch Sie den Entschluss gefasst haben ein Corporate Blog für ihr Unternehmen zu etablieren, dann sollten Sie nichts überstürzen, sondern vernünftig planen.

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Vor über 20 Jahren habe ich meine erste Webseite ins Netz gestellt. Die Anzahl an Internet-Projekten, welche ich seit diesem Zeitpunkt aufgebaut habe, kann ich schon fast nicht mehr zählen. Auch beruflich hat die Branche mein Herz erobert. Von 2002 bis 2012 war ich bei der 1&1 Internet AG beschäftigt. Die letzten 5 Jahre als technischer Produkt Manager für den Bereich Shared Web Hosting. 2012 bis 2014 war ich als Product Manager Portal bei Deutschlands beliebtesten Preisvergleich-Portal billiger.de für die Such-Technologie, sowie die Weiterentwicklung der Sub-Portale zuständig.

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